Warum die Ablösung eines zentralen Versicherungssystems riskant ist und wie Modularisierung dabei hilft
- Februar 20 2026
- tech11 GmbH
Jahrzehntelang haben die wichtigsten Versicherungssysteme die Branche im Stillen angetrieben. Policenverwaltung, Rechnungsstellung, Schadenbearbeitung, Produktkonfiguration - alles hängt von ihnen ab. Diese Systeme sind das operative Rückgrat der Versicherer. Doch viele von ihnen wurden in einer anderen Ära entwickelt, lange bevor Cloud-native Infrastrukturen, Echtzeit-Datenzugriff oder API-gesteuerte Ökosysteme zum Standard wurden.
Heute werden diese alten Kernsysteme immer mehr zu einer Einschränkung statt zu einer Grundlage. Sie schränken die Flexibilität ein, verlangsamen die Produktinnovation und erschweren die Integration neuer Versicherungstechnologien. Die Versicherer sind sich dieses Problems bewusst. Dennoch ist der vollständige Ersatz eines Kernsystems eine der komplexesten und riskantesten IT-Transformationen, die ein Versicherungsunternehmen durchführen kann.
Warum das Ersetzen eines Kernsystems so riskant ist
Die Ablösung eines Kernsystems wird oft als technisches Projekt beschrieben. In Wirklichkeit geht es aber um etwas viel Größeres. Das Kernsystem steht im Mittelpunkt des täglichen Geschäftsbetriebs und unterstützt stillschweigend das Underwriting, die Policenverwaltung, die Schadenbearbeitung, die Buchhaltung und die Kundeninteraktion. Eine Änderung bedeutet, dass fast alle Bereiche des Unternehmens auf einmal betroffen sind.
Hier beginnt das eigentliche Risiko. Projekte zur Erneuerung des Kerngeschäfts werden selten isoliert durchgeführt. Sie erstrecken sich über mehrere Jahre, während das Unternehmen weiter arbeitet, wächst und sich anpasst. Die gesetzlichen Anforderungen entwickeln sich weiter, die Produkte ändern sich, und neue Integrationen entstehen. Wenn das neue System fertig ist, kann die Umgebung, für die es entwickelt wurde, bereits anders aussehen.
Gleichzeitig müssen die Versicherer jahrelange, oft jahrzehntelange Policen- und Schadendaten migrieren. Diese Daten sind nicht nur historisch, sie sind aktiv, werden täglich referenziert und sind mit unzähligen Arbeitsabläufen verbunden. Die sichere Übertragung dieser Daten ohne Inkonsistenzen oder Unterbrechungen erfordert Präzision im großen Maßstab.
Und dann ist da noch das Ökosystem. Moderne Kernsysteme arbeiten nicht allein. Sie sind mit Kundenportalen, Partnersystemen, Analysetools und externen Diensten verbunden. Jede Integration muss neu aufgebaut, getestet und erneut überprüft werden.
Häufige Fehler bei Projekten zur Ablösung von Kernsystemen
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Unklare Zielsetzung und fehlende Strategie
Einer der häufigsten Fehler ist es, ohne eine klare strategische Vision zu beginnen. Unternehmen konzentrieren sich darauf, das bestehende System zu ersetzen, ohne genau zu definieren, was sie erreichen wollen. Ist das Ziel eine schnellere Produkteinführung? Bessere Skalierbarkeit? Einfachere Integrationen?
Ohne klare Ziele werden Projekte eher von technischen Entscheidungen als von Geschäftsergebnissen bestimmt. Dies führt zu Verzögerungen, Änderungen des Umfangs und verfehlten Erwartungen.
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Schlechte Testdaten und Migrationsvorbereitung
Die Datenmigration wird oft als technische Aufgabe und nicht als geschäftskritischer Prozess behandelt. In Testumgebungen werden oft unvollständige oder vereinfachte Daten verwendet, die die Komplexität der realen Welt verschleiern.
Wenn die eigentliche Migration beginnt, treten unerwartete Dateninkonsistenzen auf. Diese Probleme können die Implementierung verzögern und das Vertrauen in das neue System untergraben.
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Fehlende oder unterschätzte Integrationen
Kernsysteme arbeiten nicht isoliert. Sie interagieren mit mehreren internen Systemen und externen Partnern. Wenn die Anzahl und Komplexität dieser Integrationen unterschätzt wird, können sich Projekte erheblich verzögern.
In vielen Fällen werden Integrationsprobleme erst spät in der Implementierung sichtbar, wenn ihre Behebung kostspieliger ist und zu Störungen führt.
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Unzureichende Tests
Tests werden oft unter Zeitdruck durchgeführt. Kernsysteme unterstützen jedoch wichtige Geschäftsprozesse, und selbst kleine Fehler können weitreichende Folgen haben. Ohne umfassende Tests, einschließlich automatisierter Tests, können Probleme erst nach der Inbetriebnahme auftreten, wenn die Kosten und Auswirkungen viel höher sind.
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Kein Einsatz von Automatisierung
Automatisierung ist für die moderne Softwarebereitstellung unerlässlich, wird aber in vielen Transformationsprojekten noch zu wenig genutzt. Manuelle Bereitstellungen, manuelle Tests und manuelle Validierung erhöhen das Risiko menschlicher Fehler und verlangsamen die Implementierung. Automatisierung verbessert die Zuverlässigkeit, Konsistenz und Geschwindigkeit und verringert das langfristige Betriebsrisiko.
Wie die Modularisierung die Gleichung ändert
Anstatt das gesamte Kernsystem auf einmal zu ersetzen, ermöglicht die Modularisierung den Versicherern eine schrittweise Modernisierung.
In einer modularen Architektur wird die Kernfunktionalität in unabhängige Komponenten aufgeteilt. Jedes Modul konzentriert sich auf eine bestimmte Geschäftsfunktion und kann separat implementiert oder ersetzt werden. So können Versicherer neue Funktionen einführen, ohne das gesamte System zu unterbrechen.
Moderne Module können während der Umstellung neben den alten Komponenten bestehen bleiben. Dies gewährleistet die Geschäftskontinuität und ermöglicht eine kontinuierliche Modernisierung. Da die Module unabhängig sind, ist die Integration einfacher zu handhaben. Neue Funktionen können hinzugefügt werden, ohne dass sich dies auf andere Teile des Systems auswirkt. Durch diesen Ansatz werden die betrieblichen und technischen Risiken, die mit einer groß angelegten Ersetzung verbunden sind, erheblich reduziert.
Warum Cloud-Native- und Microservices-Architektur dies möglich macht
Die Modularisierung ist eng mit der Cloud-Native- und Microservices-Architektur verbunden. In einer Cloud-Native-Umgebung werden Anwendungen als unabhängige Dienste konzipiert, die über APIs kommunizieren. Jeder Dienst kann unabhängig entwickelt, bereitgestellt und skaliert werden. Dies schafft eine Flexibilität, die monolithische Systeme einfach nicht bieten können.
Die Microservices-Architektur ermöglicht es Versicherern, bestimmte Funktionen je nach Bedarf zu skalieren. So können beispielsweise Dienste zur Verwaltung von Policen unabhängig von Berichterstattungs- oder Integrationsdiensten skaliert werden. Dies verbessert die Leistung und die Ressourceneffizienz.
Auch die Entwicklungs- und Bereitstellungszyklen werden schneller. Neue Funktionen können eingeführt werden, ohne dass sich dies auf das gesamte System auswirkt. Dies beschleunigt die Innovation und ermöglicht es den Versicherern, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren.
Ein sicherer Weg zu modernen Versicherungssystemen
Die Modernisierung der wichtigsten Versicherungssoftware ist nicht länger eine Frage des Ob, sondern des Wie. Veraltete Systeme schränken die Anpassungsfähigkeit ein, verlangsamen die Innovation und erschweren es den Versicherern zunehmend, auf veränderte Markt- und Regulierungsanforderungen zu reagieren.
Die Erfahrung in der gesamten Branche zeigt jedoch, dass ein vollständiger Ersatz selten der sicherste Weg ist. Die Komplexität der Migration, die Anzahl der beteiligten Integrationen und die betrieblichen Risiken machen diese Projekte schwer vorhersehbar und noch schwieriger, sie ohne Unterbrechungen durchzuführen.
Eine modulare, Cloud-native Architektur ändert diese Dynamik. Anstatt eine einzige, risikoreiche Umstellung zu erzwingen, ermöglicht sie den Versicherern eine Modernisierung in kontrollierten Schritten. Neue Funktionen können dort eingeführt werden, wo sie einen unmittelbaren Mehrwert schaffen, während die bestehenden Prozesse ohne Unterbrechung weiterlaufen.
Moderne Kernversicherungsplattformen wie tech11 sind von Anfang an als modulare, serviceorientierte Systeme konzipiert. Dieser Architekturansatz ermöglicht es Versicherern, neue Produkte einzuführen, Partner zu integrieren und ihre Kernprozesse weiterzuentwickeln, ohne durch monolithische Strukturen eingeschränkt zu sein.
Dies spiegelt einen allgemeinen Wandel in der Art und Weise wider, wie Versicherer die Transformation angehen. Das Ziel besteht nicht mehr darin, alles auf einmal zu ersetzen, sondern eine Architektur aufzubauen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln kann. Denn in der modernen Versicherungswirtschaft besteht der wahre Wettbewerbsvorteil nicht darin, ein neues Kernsystem zu haben. Es geht darum, ein Kernsystem zu haben, das sich anpassen kann.
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